Müller oder nicht: Wandern macht gesund!

 width=Das Wandern ist, wie man weiß, des Müllers Lust – aber nicht nur: Wandern ist auch Balsam für Körper, Geist und Seele, und wer mal unter den Begriffen „Wandern“ und „Zitat“ googelt, der findet etliche geradezu euphorische Bemerkungen dazu von vielen prominenten Zeitgenossen, angefangen bei Seneca bis hin zu Goethe, Heine oder Mark Twain. Fakt ist: Der Mensch ist ein Bewegungstier, so ist er von der Natur konzipiert und als solches hat er die die ersten großen Aufgaben seiner Evolution bewältigt. Inzwischen haben wir allerdings einiges unternommen, um uns das Leben leichter zu machen, und angefangen bei dieser Geschichte mit dem Rad ermöglichen viele unserer Erfindungen zwar eine höhere Mobilität, allerdings auf Kosten unserer natürlichen Art der Fortbewegung.

Heute weisen Forscher an vielen Stellen nach,

wie die Kultur des Wanderns bereits nach kurzer Zeit der Gesundheit nützt. Schon das Wandern kurzer Strecken in Verbindung mit Koordinations- und Lockerungsübungen fördert die Gesundheit nachweislich. So nimmt zum Beispiel das Körpergewicht ab, der Body-Mass-Index bessert sich und der Blutdruck sinkt. Werfen wir also einen etwas genaueren Blick auf die Vorzüge der regelmäßigen Bewegung zu Fuß:
Ausdauerndes Gehen übt – ähnlich wie ein langsamer Dauerlauf – Einfluss auf den Fettstoffwechsel und das Immunsystem aus. Wenn zusätzlich einige pulsbeschleunigende Anstiege oder schnellere Etappen auf dem Plan stehen, profitiert auch der Kreislauf davon. Insgesamt braucht es zwar etwas länger, sich auf diese Weise körperlich fit zu machen, aber der Effekt hält auch länger an und birgt nicht – wie etwa bei einem harten Leistungstraining – die Gefahr von Überforderung oder Verletzungen. Nahezu nebenwirkungsfrei werden Herz, Kreislauf, Stoffwechsel und Atmung, Muskeln und Stützgerüst gestärkt, während zum Beispiel das Risiko von Infarkt oder Diabetes deutlich abnimmt.

Mehr als ausgedehnte Leistungsmärsche spielt dabei eine gewisse Regelmäßigkeit eine maßgebliche Rolle. Wer kontinuierlich etwa 2.000 Kalorien pro Woche für körperliche Bewegung verwendet, ist deutlich weniger krank, wird im Notfall schneller wieder gesund und lebt nachweislich länger. Besonders vorteilhaft ist, dass Wandern in seinen vielfältigen Formen ein ganzes Leben lang ausgeübt werden kann und selbst im hohen Alter noch nachweisbare Trainingseffekte zeigt.

Schauen wir uns einige gesundheitsfördernde Aspekte des Wan­derns im Detail an:

Herz und Kreislauf:
Regelmäßige und moderate Bewegung senkt das Risiko, an Herz-Kreislauf-Störungen zu erkranken. Wandern stärkt das Herz-Kreislauf-System und führt zu neurophysiologischen Verbesserungen

Übergewicht:
Ca. 350 Kcal pro Stunde verbrennt man bei einer leichten Wanderung, bei einer Wanderung im Gebirge oder mit angezogenem Tempo steigt der Verbrauch auf über 500 Kcal. Wandern stellt eine Ausdauersportart dar, die sich im Gegensatz zu anderen Ausdauersport­arten auch gut von Menschen mit Über­gewicht durchführen lässt, angepasst an die individuelle Kondition. Durch das hohe Eigen­gewicht verbrauchen gerade Übergewichtige sogar mehr Energie als der Durchschnitt.

Bewegungsapparat:
Im Bereich der unteren Extremi­täten werden Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder stabilisiert bzw. gestärkt. Es kommt damit zu einer Entlastung der Knie und Hüftgelenke, zum Training der gesamten Haltemuskulatur des Körpers (Wirbelsäule, Körperhaltung). Das allgemeine Verletzungsrisiko verringert sich.

Immunsystem:
Regelmäßige Bewegung bewirkt eine Stärkung des Immunsystems und damit eine geringere Anfälligkeit gegenüber Infektionskrank­heiten

Diabetes:
Bewegung erhöht die gestörte Glukose­toleranz und Insulinsensitivität durch die Vermehrung der körpereigenen Insulinzellen. Die Ausübung von Sport gestaltet sich für Diabetiker jedoch oft nicht unproblematisch: Generell sind längere Belastungen mit niedriger Intensi­tät, wie also etwa das Wandern, kurzen Belas­tungen mit hoher Intensität vorzuziehen. Zur Sicherheit sollte jedoch der Arzt befragt werden.

Atemwege:
Regelmäßiges Wandern führt zur Ver­größerung des Atemzugvolumens und der Lungenkapazität. Beides hat auf mittlere Sicht eine tiefere, regelmäßigere Atmung, eine geringere Atemfrequenz und eine bessere Durchblutung der Lunge zur Folge.

Stimmungslage:
Langandauerndes Gehen verstärkt u.a. infolge eines veränderten Stoffwechsels die Pro­duktion körpereigener Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin. Damit verbinden sich Gefüh­le des Wohlbefindens und Glücks und die Reduzie­rung von negativen Stimmungen wie Trauer, Angst und Ärger.

Stress:
Studien haben gezeigt, dass es ausreicht, das Bild einer Landschaft zu betrachten oder aus dem Fenster zu schauen, um Puls, Blutdruck und Muskeltonus zu senken und die Ausschüttung von Stresshormonen zu reduzieren. In der freien Natur und kombiniert mit Bewegung verstärkt sich dieser Effekt noch.

Ist Wandern also ein Wundermittel?

Vielleicht kein Wunder-, auf jeden Fall aber ein gutes Präventionsmittel. Ruhige Bewegung im Grünen beruhigt und entstresst. Wanderer fühlen sich nach der Wanderung allgemein fitter, empfinden sich als deutlich zufriedener und fühlen sich nach der Tour körperlich leistungsfähiger. Trotz besserer Gesundheit und möglicher Glücksgefühle beim Wandern sollten Anfänger die Belastung für den Körper also nicht unterschätzen.

Aber als gute Nachricht zum Schluss:

Es müssen ja nicht immer gleich die Alpen sein. So gut wie überall in Deutschland lassen sich nach einem Stündchen mit Auto oder Bahn schöne Wandergebiete erreichen; und wem das nicht reicht, der findet hier auf jeden Fall schöne Gelegenheiten zum Trainieren, wenn dann im Urlaub die große Bergtour ansteht.

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