Gesundes Sitzen: Home Office für Fortgeschrittene!

 width=Dass bei vorwiegend sitzender Tätigkeit ein guter (und das heißt ergonomischen Anforderungen genügender) Bürostuhl wichtig ist, hat sich inzwischen herum gesprochen, und die meisten Büros sind diesbezüglich recht gut ausgestattet. Seit einigen Monaten allerdings arbeiten viele Menschen im Home-Office, und da sieht es dann doch schon mal anders aus. Klar, für ein paar Tage tut es auch der Küchenstuhl oder das Ding aus der Studentenzeit – wer aber, wie jetzt oft der Fall, tatsächlich jeden Tagen acht Stunden zu Hause arbeitet, der sollte sich schon Gedanken über die Ausstattung im Home-Office machen. Denn wer über längere Zeiträume nicht richtig sitzt, kann irgendwann gesundheitliche Probleme bekommen. Riskieren wir einen kurzen  Blick in die Geschichte…

Der menschliche Körper besitzt eine in der Tierwelt ziemlich einzigartige Eigenschaft: Die Fähigkeit zum aufrechten Gang. Evolutionsgeschichtlich stammen auch wir natürlich von Vierbeinern ab, aber die Entwicklung hin zum Gang auf zwei Beinen brachte echte Vorteile: Man kann zum Beispiel besser und weiter sehen und man hat die Hände frei, um damit allerlei nützliche Dinge zu fassen – ein großer Schritt in der menschlichen Entwicklung, der unsere heutige Lebensweise erst möglich gemacht hat. Jagen, laufen, Werkzeuge nutzen: Vieles geht besser oder genauso gut auf zwei Beinen.

Die Kehrseite:

 Während wir mit einem für das Laufen und Stehen optimierten Körper unterwegs sind, verbringen wir den Großteil des Tages im Sitzen – bei der Arbeit im Büro, beim Essen und Autofahren, beim Fernsehen oder vor dem Computer. Das Sitzfleisch ist der wichtigste Körperteil des Menschen geworden. Eine Studie zielte auf die erwartbaren Gesundheitsgefahren von dauernder körperlicher Inaktivität: Die bewegungsärmsten der fast 5000 Studienteilnehmer verbrachten 21,8 Stunden pro Tag auf Sesseln, Sofas, Stühlen oder im Bett. Die agilsten Probanden saßen (Schlafenszeit abgezogen) hingegen nur 1,8 Stunden am Tag mehr oder weniger still – und waren deutlich gesünder, was zum Beispiel Infarktrisiko, Blutwerte oder Rückenbeschwerden angeht. Beim permanent sitzenden Menschen erhöht sich der Blutdruck anfangs partiell, bald meist chronisch. Probleme mit dem Rücken, Verspannungen und Haltungsschäden kommen nicht selten hinzu.

Weniger sitzen also? Teilweise ist das kaum zu ändern:

Viele von uns müssen tatsächlich mit Auto oder U-Bahn, also eher sitzend, den Weg zur Arbeit antreten. Und auch am Arbeitsplatz und am Besprechungstisch, in der Kantine und in Meetings wird ja normalerweise gesessen – das meiste unseres Alltags können wir gar nicht ernsthaft beeinflussen, eine Sitzung im Stehen wäre doch merkwürdig. Wenn wir das Sitzen selbst also nur bedingt vermeiden können, dann sollten wir umso mehr darauf achten, WORAUF wir sitzen. Ein guter, dem Körper angepasster Bürostuhl kann vor Rückenschmerzen schützen und sollte, unabhängig vom Preis, folgende Kriterien erfüllen:

Die Sitzhöhe eines rückenfreundlichen Bürostuhls ist verstellbar. Idealerweise bilden Ober- und Unterschenkel einen rechten Winkel, beide Fußsohlen liegen vollständig auf dem Boden auf. Beim Sitzen sollte der Rücken Kontakt zur Rückenlehne haben. Günstig ist darüber hinaus eine verstellbare Sitzflächenneigung, so dass das Becken leicht nach vorn gekippt ist. So kann die Wirbelsäule ihre natürliche Doppel-S-Form einnehmen. Die Rückenmuskulatur wird dadurch entlastet.

Für besonders große oder besonders kleine Menschen empfiehlt sich außerdem eine Sitzfläche, die sich in der Tiefe verstellen lässt, also nach vorn und hinten bewegbar ist. Dadurch ist für Menschen über etwa 1,90 m gewährleistet, dass nicht nur der halbe Oberschenkel auf der Fläche aufliegt und komplett gestützt ist, für die unter 1,70er kann die Sitzfläche nach hinten gestellt werden, so dass man sich wirklich anlehnen kann und der Rücken nicht einige Zentimeter vor der Rückenlehne bleibt.

Die Rückenlehne sollte außerdem flexibel sein, wobei der durch sie ausgeübte Gegendruck auf den Rücken den Oberkörper nur aufrichtet, nicht jedoch nach vorn drückt. Außerdem sollte die Höhe der Rückenlehne verstellbar sein, so dass das Becken beim Sitzen fixiert ist. Die Rückenlehne am Bürostuhl einer Frau sollte weich und flexibel sein und vor allem den unteren Rücken stützen. Für Männer wird dagegen eine festere Rückenlehne empfohlen, die in erster Linie die Muskeln im Schulter- und Nackenbereich stützt.

Die Armlehnen des Bürostuhls entlasten Schultergürtel und Oberkörper. Idealerweise sind sie in Höhe und Tiefe verstellbar und unterstützen nicht nur den Ellenbogen, sondern den gesamten Unterarm. Auch das trägt dazu bei, Rückenschmerzen zu verhüten.

Viele moderne Bürostühle haben inzwischen recht ausgefeilte Systeme zur Lordosenunterstützung, die sich optimalerweise in Postion und Ausprägung einstellen lässt. Dadurch wird gerade der anfällige untere Rückenbereich entlastet, weil ein Teil des Gewichts des Oberkörpers aufgefangen wird – aus dem Auto kennen wir das schon recht lange.

Eine gute Alternative sind für viele Menschen auch Sitzgeräte,

die vom klassischen Stuhl mit Arm- und Rückenlehne abweichen – Sitzbälle etwa oder Sitzhocker, die nach den Seiten hin frei schwingen. Der Vorteil: Dadurch muss der Körper permanent ein wenig arbeiten, um aufrecht sitzen zu können, der Rücken wird ständig ein wenig trainiert und es kommt nicht zu Verspannungen.

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